Handwerksbetriebe haben ein anderes Problem als die meisten anderen Firmen: Sie brauchen keine Aufmerksamkeit, sie haben genug zu tun. Was sie brauchen, sind die richtigen Anfragen statt der falschen, Bewerber statt nur Kunden, und eine Seite, die nicht jede Woche gepflegt werden will. Danach ist eine Handwerksseite gebaut, oder sie taugt nichts.
Die drei Fragen der ersten fünf Sekunden
Fast niemand ruft die Seite eines Handwerksbetriebs auf, um sich am Design zu erfreuen. Die Leute wollen drei Dinge wissen, und zwar in dieser Reihenfolge:
- Machst du das, was ich brauche? Nicht „Bau und Sanierung“, sondern Wurzelfräsen, Flachdachabdichtung, Kanalspülung, Estrich.
- Kommst du hierher? Der Ort steht auf der Seite, oder er steht nicht drauf. Wenn nicht, ruft der Nächste an.
- Wie erreiche ich dich jetzt? Nummer sichtbar, anklickbar, ohne Scrollen.
Wenn diese drei Antworten oben stehen, hat die Seite ihren Zweck erfüllt. Alles Weitere ist Beiwerk und darf gerne gut aussehen, aber es entscheidet nichts.
Die meisten Handwerksseiten scheitern nicht an der Gestaltung, sondern daran, dass in der Überschrift „Ihr Partner für Qualität“ steht, wo „Dachdecker im Landkreis Anhalt-Bitterfeld“ stehen müsste.
Daniel Weihmann
Eine Seite je Leistung, nicht alles auf einer
Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob du gefunden wirst. Wenn deine sieben Leistungen alle in einem Absatz auf der Startseite stehen, hat Google eine Seite zu sieben Themen. Wenn jede Leistung eine eigene Seite hat, hat Google sieben Seiten zu je einem Thema, und jede davon kann für sich gefunden werden.
Beim Baumfällteam sieht das so aus: Baumfällung, Baumpflege, Kronensicherung, Wurzelfräsen. Vier Arbeiten, vier verschiedene Suchanfragen, vier verschiedene Kunden. Wer eine Wurzel loswerden will, sucht nicht nach Baumpflege, und wer einen Sturmschaden hat, sucht nach etwas Drittem.
Bei KSD in Köthen sieht es anders aus: Der Betrieb saniert wasser- und abwassertechnische Anlagen, und seine Auftraggeber sind Kommunen und Betriebe, die nach Verfahren und Referenzen suchen. Deshalb ist die Seite sachlich aufgebaut, und die Leistungen stehen einzeln und ohne Werbesprache vorn.
Die Anfrage muss von der Baustelle aus funktionieren
Handwerksanfragen entstehen selten am Schreibtisch. Sie entstehen, wenn jemand vor dem Schaden steht, mit dem Handy in der Hand, oft bei schlechtem Empfang. Daraus folgt einiges für die Technik.
Die Seite muss schnell laden, auch im Funkloch zwischen zwei Dörfern. Das bedeutet: keine großen unkomprimierten Fotos, keine eingebundene Karte, die drei Sekunden braucht, keine fremden Skripte, die auf einen Server in Kalifornien warten. Mein Ziel für eine Handwerksseite sind unter zwei Sekunden, und das ist erreichbar, wenn man nichts mitschleppt, was niemand braucht.
Das Kontaktformular muss so kurz sein, dass man es mit einer Hand ausfüllt. Name, Telefon, ein Feld für den Text, fertig. Und die Möglichkeit, ein Foto anzuhängen, ist bei Handwerk mehr wert als jedes weitere Pflichtfeld: Ein Bild vom Schaden spart am Telefon zehn Minuten.
Wenn eine Anfrage nicht kommt, während der Kunde noch vor dem Schaden steht, kommt sie meistens gar nicht. Bis er abends am Rechner sitzt, hat er den Nächsten angerufen.
Daniel Weihmann
Soll deine Seite Aufträge bringen statt nur dazustehen?
Schilder mir deinen Betrieb und das Gebiet, in dem du arbeitest. Ich zeige dir, wie eine Seite aufgebaut ist, über die Kunden anrufen, bevor sie jemand anderen fragen.
Anfrage stellen 0176 53908409
Das Einzugsgebiet ehrlich abbilden
Handwerksbetriebe arbeiten in einem Gebiet, nicht an einem Punkt. Das gehört auf die Seite, und zwar so, wie es stimmt. Wenn du von Köthen aus bis Halle, Dessau, Bernburg und Aschersleben fährst, dann schreib das hin, mit Ortsnamen.
Was ich nicht empfehle: für jeden Ort im Umkreis eine eigene Seite mit demselben Text und ausgetauschtem Ortsnamen. Ich weiß, wovon ich rede, auf meiner eigenen alten Domain liegen 674 solcher Seiten. Ein Teil davon rankt bis heute, aber der Aufwand, sie halbwegs sinnvoll zu halten, steht in keinem Verhältnis, und Google bewertet Massenware inzwischen anders als 2015. Eine Ortsseite lohnt sich, wenn sie etwas Eigenes zu sagen hat: eine Referenz aus dem Ort, die Fahrzeit, eine örtliche Besonderheit.
Wichtiger als zwanzig Ortsseiten ist ein gepflegtes Google Unternehmensprofil mit eingetragenem Einzugsgebiet. Für Betriebe, die zum Kunden fahren, ist das der stärkere Hebel. Was dort konkret hilft, steht in Lokal gefunden werden.
Der zweite Zweck: Bewerber
Bei vielen Betrieben in Sachsen-Anhalt ist die Personalsuche inzwischen der eigentliche Grund für die Website. Der Auftragsbestand reicht, was fehlt, sind Leute, die ihn abarbeiten.
Eine Karriereseite, die etwas bringt, sieht anders aus als eine mit dem Satz „Wir suchen laufend motivierte Mitarbeiter“. Was Bewerber wissen wollen: Wie viele seid ihr, was für Fahrzeuge und Werkzeug habt ihr, wie weit sind die Baustellen weg, gibt es Wochenendarbeit, wie läuft die Ausbildung. Dazu Fotos vom Team und von der Werkstatt statt Symbolbildern mit Bauhelm.
Und ganz praktisch: eine Bewerbung per WhatsApp oder mit drei Sätzen im Formular. Ein junger Geselle schreibt kein Anschreiben, um sich bei einem Betrieb mit acht Leuten zu bewerben.
Was du dir sparen kannst
Ein paar Dinge tauchen auf Handwerksseiten regelmäßig auf und bringen nichts. Ein Bildschirm füllender Videohintergrund von einer Baustelle, der die Seite langsam macht. Ein Newsbereich, der seit 2019 leer ist und dem Besucher zeigt, dass hier niemand hinsieht. Eine eingebundene Wetteranzeige, die es tatsächlich gibt. Und ein PDF-Prospekt als einziger Weg zu den Leistungen, denn was im PDF steht, findet Google schlechter und liest niemand am Handy.
Ebenfalls sparen kannst du dir eingekaufte Bilder. Ein Handyfoto vom eigenen Fahrzeug vor der eigenen Halle ist mehr wert als das Stockfoto vom lächelnden Handwerker, das auf zweitausend anderen Seiten hängt. Kunden erkennen den Unterschied sofort, auch wenn sie ihn nicht benennen.
Rechtlich das Nötigste
Für Handwerksbetriebe kommen zu Impressum und Datenschutz ein paar Punkte dazu, die oft fehlen: die zuständige Handwerkskammer als Aufsichtsbehörde, die Berufsbezeichnung und das Land, in dem sie verliehen wurde. Das steht so in § 5 DDG, dem Nachfolger des Telemediengesetzes. Welche weiteren Angaben für dein Gewerk gelten, klärst du am besten kurz mit der Kammer.
Wenn du eine Karte einbindest oder Schriften von einem fremden Server lädst, brauchst du dafür eine Einwilligung, sonst schickst du die Daten deiner Besucher ohne Grundlage weiter. Am einfachsten ist es, beides gar nicht erst einzubauen: Schriften liegen auf dem eigenen Server, und statt einer eingebundenen Karte tut es ein Link zur Routenplanung.
Kurz gefasst
Drei Antworten in fünf Sekunden, eine Seite je Leistung, eine Anfrage, die vom Handy aus mit einer Hand funktioniert, ein ehrlich benanntes Einzugsgebiet und eine Karriereseite, die tatsächlich etwas erzählt. Alles andere ist Geschmack.
Wie so eine Seite entsteht und was sie kostet, steht bei meiner Leistung Webdesign und in Was kostet eine Website wirklich?. Wenn du deinen Betrieb einmal durchsprechen willst: unverbindlich anfragen.